Sonntag, 10. Juni 2012
Tag 4: Vergammelte Seele
Heute ist einer dieser Tage in denen alles ineinander verschwimmt. Man fühlt sich niedergeschlagen und müde, obwohl man nichts geleistet hat. Ich bekomme gerade nichts mehr auf die Reihe, alles entgleitet meiner Führung. Ich hänge den ganzen Tag in meinem Zimmer und schau ne Serie und rauche Shisha. Eigentlich habe ich so viel zu tun, und schiebe ich es hinaus, immer und immerwieder. Morgen muss ich nen Vortrag halten. Ich habe noch nicht mal die Präsentation. Das macht unglücklich, aber das schlimmste daran ist, dass man nichts dagegen tut damit es besser wird. Bin vermutlich nicht der einzige mit den Problemen.

Normalerweise schreibe ich nachts immer halbbesoffen (oder stockbesoffen :) ) meine Einträge, heute ist es Nachmittag. Vielleicht reicht die Sonne für nen Sonnenbrand auf meiner Glatze :) Dadurch das ich mir meine Haare kurzgeschoren habe, hat sich auch der Umgang meiner Mitmenschen gegenüber mir verändert. Nicht bei den Freunden, aber bei den Fremden, besonders bei den Mädels. Mein Beuteschema müsste sich ändern um Erfolg zu haben, aber das will ich nicht. Wie seltsam wie wenig der Charakter entscheidend ist. Es geht alles nur ums Aussehen. Bissel den Macker makieren und ein bisschen cool-tun, dabei noch gut aussehen und freundlich lächeln und jede zupft dir am Hosenbein wenn du nicht grade dumm bist. Jetzt sehe ich scheiße aus und auf einmal wird man anders behandelt. Erstaunlich. Vielleicht haben die Frauen mich die ganze Zeit abgeschleppt und ich nicht sie? Wer weiß. Zum ersten Mal besitze ich jetzt allerdings die Freiheit feiern zu gehen und alles weibliche ausblenden zu können. Mir fällt erst jetzt auf wie bestimmend das jeden Abend für mich war. Ficken war mein Lebensinhalt. Vielleicht bringt mich dass einen Schritt näher in Richtung Beziehung. Irgendwie hoffe ich es. Auf jeden Fall ermöglicht es mir eine ganz andere Sicht auf die Dinge.
Am erstaunlichsten bei dieser Frisursache ist allerding, das man sich im Spiegel selbst nicht mehr erkennt. Da stellt sich die Frage wer man überhaupt ist, und wie engstirnig, ja verbissen man immer versucht sich selbst zu definieren. Vielleicht bestimmt aber auch dein Aussehen wer du bist? Wo ist die Grenze? Ich fühle mich vom optischen her allerdings gerade extrem aus dem Gleichgewicht geworfen. Mein Aussehen wird von mir zum ersten Mal sehr stark von meinem Charakter getrennt. Trotzdem merke ich, das es meine Tugenden, meine Körperhaltung und mein Auftreten negativ verändert. Ich sehe aus wie ein Nazi :)

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